FAQ Reboard-Kindersitze

Welcher Reboard-Kindersitz passt in mein Auto?

Dazu sind mehrere Dinge zu beachten:
– Rückwärts gerichtete Kindersitze haben eine so genannte „semi-universelle“ Zulassung. Das heißt, dass diese Sitze eine Typenliste mit zugelassenen Fahrzeugen haben. Diese Typenliste ist bei uns zu finden im Shop beim jeweiligen Sitz unter „Anleitung/Typenliste“ zu finden. Cybex gibt keine Typenliste als PDF-Dokument heraus, dort findet Ihr im Shop einen Link auf die Cybex-Seite zur Typenliste.

Typenlisten im Onlineshop

Typenlisten im Onlineshop am Beispiel Axkid Minikid

– Die Typenliste sagt nicht, wie die Platzverhältnisse mit eingebautem Sitz in Ihrem Auto sind. Sie trifft also keine Aussage darüber, ob man beispielsweise auf dem Beifahrersitz noch bequem sitzen kann. Es geht bei der Typenliste nur um die Zulassung, also ob die Verwendung des Sitzes geprüft ist.

Was passiert bei einem rückwärts gerichteten Kindersitz/ Reboarder bei einem Unfall von hinten?

Ein Heckunfall ist statistisch wesentlich seltener als ein Frontalunfall. Zudem laufen Heckunfälle wesentlich glimpflicher ab. Meistens sind sie nur sehr leichte Auffahrunfälle und fordern weder Schwerverletzte noch Tote. Eine Ausnahme sind natürlich Heckunfälle mit Hochgeschwindigkeiten beispielsweise auf der Autonbahn am Stauende. Auch wenn es hart klingt, aber hier hilft dann ohnehin nur noch ein sehr achtsamer Schutzengel, unabhängig von der Sitzrichtung.

Und: Bei Auffahrunfällen sitzt das Kind mit dem Kopf weiter weg vom Aufprall. Gerade bei Autos mit kleinem Kofferraum ist so mehr Knautschzone, bis das Kind ernsthaft verletzt wird.

Beispiel:
Auto 1: 40km/h, Auto 2: 60km/h.
Heckunfall Auto 2 auf Auto 1, die Differenzgeschwindigkeit beträgt nur 20km/h und die Kräfte werden auf beide, sich in die gleiche Richtung bewegenden Autos, verteilt.
Der Schaden ist relativ gering und die Kräfte auf die Insassen niedrig.
Das Kind ist im Reboarder gut durch die 5-Punkt-Gurte gesichert.

Anders beim Frontalunfall von 1 und 2: Man addiert die Geschwindigkeiten = 100km/h (also wie allein mit 100km/h gegen eine Wand). Der Schaden und die Kräfte sind wesentlich höher. Beide Fahrzeuge kommen aus der Bewegung fast schlagartig zum Stillstand. Extreme Verzögerungskräfte wirken auf die Insassen.

Kinder sind in vorwärts gerichteten Sitzen ab etwa 30km/h gefährdet.
Heckunfälle machen nur etwa 2 -5 % der Unfälle mit schweren Verletzungen aus. Frontalunfälle dagegen etwa 60%!

Wohin mit den Beinen des Kindes?

Die Füße werden angestellt, überkreuzt, was auch immer den Kindern so einfällt und als bequem angesehen wird. Kinder mögen es meist im Gegenteil nicht, wenn ihre Beine nach unten hängen auf längeren Fahrten und stellen sie auch vorwärts an der Beifahrerrückenlehne an. Kinder sitzen anders und haben eine andere Vorstellung von bequemem Sitzen.

Und selbst wenn: Es gibt nichts Wichtigeres als das Rückenmark und den Kopf. Solange diese beiden Teile beim Unfall gut geschützt sind, könnte jeder Beinbruch in Kauf genommen werden. Denn einen Unfall, bei dem ein Kind im Reboarder ein gebrochenes Bein haben könnte, den hätte es vorwärts wahrscheinlich nicht überlebt.

Haben die Reboard Kindersitze eine „Liegeposition“?

Die Neigung der Sitze lässt sich bei einigen Modellen verstellen. Das dient zum Ausgleich der Neigung der Rücksitzbank oder des Beifahrersitzes. Das Kind liegt aber nicht, es soll tatsächlich sitzen. Kinder sollen, sobald sie sitzen können, so aufrecht wie möglich und nur so geneigt wie nötig sitzen.

Das nimmt Kraft von Kopf und Halswirbelsäule und schont somit das Rückenmark im Unfall. Beim Crash wird der Rücken breitflächig in die Schale gedrückt und nimmt so die meiste Energie auf. Liegt das Kind zu flach, geht die Bewegungsrichtung mehr mit dem Kopf an der Sitzschale entlang nach vorne, die Schultern werden von Gurten gehalten und der Hals mit dem Rückenmark in die Länge gezogen.
Eine „echte“ Liegeposition haben nur Babyschalen und beispielsweise der Cybex Sirona, Römer Dualfix und der Klippan KISS2. Diese empfehlen wir auch für kleine oder junge Kinder.

Der Kopf fällt beim Einschlafen immer nach vorn? Ist das gefährlich? Was kann ich tun?

Es ist nicht gefährlich. Beim Bremsen kommt der Kopf dann in den geschützten Bereich. Kinder finden auch viele Dinge noch nicht unbequem, die wir Erwachsenen als furchtbar unbequem empfinden.
Häufig hilft es, wenn man das Kind beim Anschnallen nach oben schauen lässt. Kinder schauen sehr gern auf die Händler der Erwachsenen am Gurtschloss. Das führt dazu, dass  der obere Rücken nicht anliegt und der gesamte Rücken sich rundet. Bei kleinen Kindern kann man beispielsweise über dem Kopf schnipsen, so dass sie nach oben schauen ohne Zwang. Danach das Kind ausreichend feste anschnallen. Der Gurt sollte im Brustbereich nicht mehr zusammen zu zwicken gehen. So ist der Oberkörper nicht mit der Tendenz nach vorne fixiert und der Kopf wird eher oben gehalten, als wenn er schon eine vorgegebene Richtung nach unten hat.

oder:
Ein Sandini-Kissen XS, dass an der Kopfstütze befestigt wird. Es kann vorne mit Klett geöffnet werden und wird nur geschlossen, wenn die Kinder schlafen. Geht natürlich auch vorher, wenn die Kinder das akzeptieren. Durch den Klettverschluss gibt es keine Strangulationsgefahr.

Ansonsten muss man wirklich sagen, dass die Kinder so aufrecht wie möglich sitzen sollten (siehe Frage „Liegeposition“). Das ist einfach am sichersten im Kindersitz. Und oft stört das die Kinder nicht so sehr wie wir denken.

Ich habe aber gehört, dass Reboard-Sitze nicht in alle Autos passen.

Es gibt eine Typenliste, auf der alle getesteten Modelle zu sehen sind. Für fast jede Situation lässt sich ein passender Reboard-Kindersitz finden. Am besten ist es, wenn ihr euch per Email oder Telefon ausführlich und individuell beraten lasst oder einfach vorbeikommt. Wir haben Reboard-Kindersitze schon in sehr kleine Autos wie den Toyota Aygo oder den VW Up! mit nur drei Türen problemlos eingebaut. Wenn wir mit euch zusammen ausprobieren, seid ihr auf der sicheren Seite und könnt euch selber anschauen, wie euer Kind in verschiedenen Sitzen sitzt und wie alles in euer Auto passt. Auch unsere Beratungen per Email oder Telefon mit Betreuung auch nach dem Kauf führen üblicherweise zu zufriedenen Reboard-FahrerInnen.

Ich habe gehört, dass der Einbau schwierig ist.

Der Einbau kann je nach Sitzmodell etwas aufwändiger als bei den bekannten vorwärtsgerichteten Kindersitzen. Dies erklärt aber auch die höhere Sicherheit. In Skandinavien sind rückwärtsgerichtete Autositze üblich und dort schaffen es auch alle Eltern die Sitze einzubauen. Recht einfach ist die Isofix-Variante für alle, die das Geld dafür ausgeben möchten. Aber auch der Einbau des Sitzes ohne Isofix ist sehr leicht zu erlernen. Am besten geht es, wenn man es gezeigt bekommt. Daher nehmen wir uns die Zeit, den Sitz mit Euch mehrfach ein- und auszubauen, bis Ihr es selber ohne Probleme könnt. Ihr findet aber auch Einbauvideos bei den Sitzen im Onlineshop unter „Produktvideos“. Außerdem sind wir erreichbar, wenn ihr ncoh Fragen habt. 

Ich habe gehört, dass die Testnoten immer nur “ausreichend” sind.

Die Testnoten im Bereich “Sicherheit” sind immer Bestleistungen, immer schneiden rückwärtsgerichtete Autositze als Testsieger ab. Die durchschnittlichen oder ausreichenden Gesamt-Testergebnisse kommen daher, dass eine Note sich aus mehreren Teilen zusammen setzt. Meistens schneiden Rückwärts-Sitze bei der Handhabung schlechter ab, da – wie weiter oben erklärt – der Einbau etwas aufwändiger ist. Bei einem Test bekommen beispielsweise fünf Leute den Sitz ohne Anleitung und sollen ihn einbauen. Vorwärts-Sitze kennt jeder und kann sie wahrscheinlich einbauen. Rückwärts-Sitze kennt hierzulande fast keiner und sie haben mehrere Sicherungssysteme wie einen Standfuß und einen Überrollbügel. Sinnvoll wäre eine Testung mit Vorführung des Einbaus und Nachmachen und anschließender Überprüfung, wie sehr die Einbaufehler die Sicherheit beeinträchtigen. Dann würde das Ergebnis hier ganz anders aussehen.

Ich habe gehört, dass die Sitze schwerer und sperriger sind.

Das stimmt für die meisten Reboarder – denn das Gewicht hängt ab von den verwendeten Materialien. Reboard-Kindersitze müssen mehr Stabilität aufweisen, da sie nicht an der Sitzbank komplett anlehnen wir ein Vorwärts-Sitz. Dafür muss gelegentlich Metall verwendet werden, was schwerer ist. Außerdem gibt es die Teile, die ein Rückwärts-Sitz braucht, um perfekt gestützt zu werden wie beispielsweise den Überrollbügel zur Autositzlehne hin und den Standfuß zum Boden hin. Das Gewicht hat also einen guten Grund – die Sicherheit. Für uns ist es daher eher ein Pluspunkt.

Fakten vs. Gerüchteküche: „In Schweden ist das Rückwärtsfahren bis vier Jahre Pflicht.“

Richtig ist:
Schweden gehört zur EU und dort ist die Kindersicherung im Auto ebenfalls nach der europäischen ECE-Norm geregelt. Es gelten die gleichen Kindersitzgruppen. Es gibt kein Gesetz in Schweden, dass die Nutzung von Reboardern bis 4 Jahre vorschreibt.
Kindersitze schwedischer Hersteller können in Deutschland problemlos verwendet werden (Zulassung nach ECE), was beispielsweise mit US-Sitzen nicht erlaubt ist.
Das Rückwärtsfahren kleiner Kinder hat in Schweden nur eine längere Tradition, doch auch dort nimmt die Prozentzahl mit dem Alter immer weiter ab und es sind nicht alle Eltern, die verlängertes Rückwärtsfahren bis oder über 4 Jahre mit ihrem Kind praktizieren.
Vorwärstssitze können dort ganz normal gekauft werden, Reboarder sind jedoch bekannter und ebenfalls überall zu bekommen. Die Sicherheitsvorteile sind bekannt, denn Volvo entwickelte den ersten Reboard-Kindersitz in Schweden.